Ich lernte Lex van Weren im Jahr 1979 kennen. Ich sang als Sänger bei der Niederländischen Oper und gastierte bei vielen Operettenvereinen in Nordholland. Bei einer dieser Vereinigungen begegnete ich ihm. Er war bereits pensioniert, und da er nun einmal nicht ohne Musik leben konnte, bot er einer Operettenvereinigung in Amsterdam seine Dienste als Dirigent an.

Ehrlich gesagt hatte ich noch nie von ihm gehört, und doch war er in der niederländischen Musikwelt eine bekannte Persönlichkeit.

Geboren am 13. März 1920 in Den Haag als Kind jüdischer Eltern, wurde er als Dirigent des City Theater-Orchesters in Amsterdam bekannt.

Das City Theater war in den fünfziger und sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts einer der lebendigsten Vergnügungsorte der Stadt. Es war ein großes, modernes Kino- und Theatersaal mit einer Kapazität von etwa 1800 Besuchern und einem Orchestergraben, in dem das City Theater-Orchester spielte.

Bevor der Hauptfilm begann, traten verschiedene Künstler auf, die live vom Orchester unter der Leitung von Lex van Weren begleitet wurden. Das verlieh dem Kinobesuch eine fast varietéartige Atmosphäre. Es verband Film, Live-Musik und architektonische Grandeur – etwas, das in den Niederlanden nahezu einzigartig war.

Außerdem spielte Lex van Weren jahrelang für das Radio und das damals aufkommende Fernsehen. Große Popularität erwarb er durch sein uneigennütziges Engagement für wohltätige Zwecke, wie etwa die „Nacht der weißen Bettchen“, eine Initiative des Parool-Journalisten Henri Knap, mit dem Ziel, Geld für Sinterklaas-Geschenke für kranke Kinder zu sammeln.

Aufgrund seiner großen Verdienste um die niederländische Unterhaltungsmusik war Lex van Weren einer der Ersten, die von der Stiftung Conamus eine Goldene Harfe erhielten.

Lex van Weren wurde aus dem Lager Westerbork deportiert und kam nach Auschwitz. In meinem zweiteiligen Podcast – Der Trompeter von Auschwitz – können Sie hören, wie er die Hölle von Auschwitz überlebt hat. In meinen Vorträgen erzähle ich die Geschichte von Lex van Weren und von Sally Perel.